Mord die dritte

Die letzten Korrekturen sind eingearbeitet und das Manuskript ist auf dem Weg zum Drucken – mit etwas Glück kommt es noch vor Ostern in den Handel.

Hier noch ein kleiner Ausschnitt zum ersten Mord:

Das kalte Arbeitslicht der Kriminaltechnik blendete. Theiss stand neben Dr. Orthuber, den man offenbar auch zu dieser nachtschlafenden Zeit gerufen hatte. Links neben den beiden lag ein toter Mann auf dem Fußboden. Man hatte ihm das Hemd geöffnet und auch die Mordwaffe aus seinem Brustkorb entfernt. Es schien nur sehr wenig Blut ausgetreten zu sein. Das Zimmer war eine Art Besprechungszimmer, modern aber gediegen möbliert, mindestens 30 Quadratmeter groß. An Platz schien hier kein Mangel zu herrschen. Es waren allerdings nicht der große Konferenztisch und die acht modernen, lederbespann­ten Chromstühle, die den Raum beherrschten. Es war ein verhältnismäßig kleines Bild, das auf einer Staf­felei links von dem Toten stand und über ihn hinweg­zublicken schien. Eine Frau blickte mich an. Sie wirkte jung, kaum zwanzig. Licht fiel von oben auf ein schmales Gesicht mit einem leicht geöffneten Mund, großen braunen Augen und hohen Wangenknochen. Ein roter Hut schien auf ihrem Kopf zu schweben. Als ich meinen Blick von dem Bild abwandte bemerkte ich, dass mich Theiss und Dr. Orthuber anstarrten und ging einige Schritte auf sie zu.

„Schön, dass Sie Zeit für uns gefunden haben.“
Theiss schien ja blendender Laune zu sein.
„Guten Morgen, Herr Doktor“, ich nickte Dr. Orthuber zu, „morgen, Herr Theiss.“
Ich betrachtete den am Boden liegenden Toten genauer.
„Da war wohl ein Meister seines Faches am Werk.“
„Oder jemand hatte schlicht Glück, Herr Schönheit“, meinte Dr. Orthuber. „Aber sie haben Recht. Wer immer da zugestochen hat, hat den Herzbeutel präzise getroffen. Dr. de Rijk dürfte tatsächlich sofort tot gewesen sein.“
„Deshalb das wenige Blut.“
„Stimmt.“
„Wie lange ist er denn schon tot?“

Dr. Orthuber sah mich mitleidig an.

„Fällt Ihnen denn wirklich keine andere Frage ein? Der Körpertemperatur und der Leichenstarre nach zu urteilen drei bis fünf Stunden. Näheres nach der Autopsie.“
Ich blickte Theiss an.
„Und was haben wir sonst?“
„Praktisch nichts. Irgendjemand scheint aus dem Nichts aufgetaucht zu sein und hat ihn vor diesem Bild ins Jenseits befördert.“

Ich blickte der jungen Frau noch einmal ins Gesicht.

„Faszinierend, nicht wahr“, ließ sich Dr. Orthuber vernehmen.
„Wie meinen Sie das?“

Dr. Orthuber wirkte ein wenig irritiert.

„Mir ging es vor ein paar Monaten ähnlich wie Ihnen, als Sie da vorne standen. Ich konnte meinen Blick einfach nicht von diesem Bild losreißen, als es noch in der Pinakothek hing. Vielleicht fühlte de Rijk ja dasselbe. Er hatte das Bild schließlich gefunden.“

Theis und ich blickten unseren Gerichtsmediziner beide erstaunt an.

„Sie kennen das Bild?“, fragte Theiss.

Dr. Orthuber wirkte eher indigniert als irritiert.

„Aber die Herren lesen schon gelegentlich einmal Zeitung, oder? Das ist der vermeintliche Vermeer, über den Henry de Rijk letztes Jahr im Keller der Alten Pinakothek gestolpert ist. Anschließend gab es dann eine lange, öffentlich ausgetragene Schlamm­schlacht über die Echtheit des Bildes.“

„Mit welchem Ergebnis?“

„Die Experten waren sich nicht einig. De Rijk, der ein ausgewiesener Fachmann für Vermeer und seine Zeit war, bestand darauf, dass es sich um einen echten Vermeer handelte. Die Mehrheit der wissenschaft­lichen Tests schien das zu belegen, aber es gab auch Stimmen, die es für das Werk eines bekannten Fälschers hielten. Am Ende hat das Ministerium die Notbremse gezogen, und das Bild ins Archiv verbannt.“

„Und als Direktor hat er dann entschieden, es hier in seine Räume zu stellen“, meinte Theiss.

„Kann ich mir gut vorstellen. De Rijk hat meistens bekommen, was er wollte.“

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