Mehr Mord

Wir sind dabei die Druckfahnen zu korrigieren. Druckfahnen. Klingt wie etwas aus lange vergangenen Tagen ist es auch. Heutzutage ist es eine InDesign Datei von unseren Setzer – sagt man überhaupt noch Setzer? – bei mediathoughts.net. Jetzt sitzen also ich und Lektorin noch einmal dran. Außerdem müssen wir uns Gedanken über das Titelblatt machen.

Mach dir kein Bild, soll der Roman heißen.

Welches Bild passt wohl am besten dazu?

Was meint ihr? Hier sind vier Ideen :

Und zum Weiterlesen:

3:45 Uhr

Ich schwang meine Beine vorsichtig aus dem Bett, schnappte mir das leuchtende Handy, ging ins Wohnzimmer und drückte auf „Annehmen“.
Als ich einen Moment schwieg fragte jemand: „Schönheit?“
„Ja.“
Ich klang wie der sterbende Schwan.
„Sind Sie das, Schönheit?“
Kriminaloberrat Theiss.
„Ja.“
„Na also. Wieso gehen Sie denn nicht ans Telefon?“
„Weil es mitten in der Nacht ist?“
„Bringt der Beruf so mit sich.“
„Ach, wirklich?“
„Ich brauche Sie.“
„Hatte ich mir jetzt schon fast gedacht.“
„Spielen Sie jetzt nicht die Primadonna. Wir haben einen Toten.“
„Kann das nicht der Kriminaldauerdienst über­nehmen und wir kümmern uns in der Früh darum?“
„Das wird sich schlecht machen lassen, Herr Schönheit.“
Sein falsches Mitleid floss förmlich aus dem Telefonhörer.
„Und warum?“
„Weil die Leiche in der Neuen Pinakothek liegt.“
„Und?“
„Es handelt sich um den Direktor der Alten.“
„Bitte?“
„Um den Direktor der Alten Pinakothek.“
„Und den haben Sie in der Neuen Pinakothek gefunden?“
„Nicht wir, Herr Schönheit. Ein etwas pflichtbewusster Wachmann.“
Das verstehe wer will.
„Und es war Mord?“
„Sofern wir nicht davon ausgehen, dass der Herr Direktor vorwärts in seinen Brieföffner gefallen ist: ja.“
„Ach so.“
„Schwingen Sie Ihren Alabasterleib aus dem Bett, Schönheit, Uzman holt Sie in fünf Minuten mit dem Wagen ab.“ Er zögerte einen Moment. „Und wehe, Sie bringen die Presse mit.“

Der Chef und sein Sinn für Humor.

Der Direktor der Alten Pinakothek war tot und Adil würde mich in fünf Minuten abholen. Was für eine Nacht. Ich ging ins Badezimmer, goss mir eine Handvoll kaltes Wasser ins Gesicht und versuchte, ein Lächeln. Es misslang. Auf dem Weg ins Schlafzimmer stolperte ich über die Türschwelle und versuchte in völliger Dunkelheit, etwas zum Anziehen zu finden.
„Mach halt Licht an“, tönte es von unter der Bettdecke.
„Geht auch so.“
„Quatsch.“
Martinas Hand suchte mit Erfolg den Schalter der Nachttischlampe.
Licht.
Ein bemerkenswert waches Gesicht tauchte unter der Bettdecke auf.
„Was ist denn los? Revolution?“
„Ein Toter in einem Museum.“
„Geht das ein wenig präziser?“
„Der Direktor …“
Die Türglocke schepperte. Ich ging an die Sprech­anlage.
„Adil?“
„Ja, Chef.“
„Bin gleich da.“
„OK.“
Zurück ins Schlafzimmer.
Ein offenbar völlig erwachter, leicht verwilderter Rotschopf grinste mich an, die Hände vor den Brüsten verschränkt.
„Nur damit du nicht auf dumme Gedanken kommst. Also bitte: wer ist tot?“
„Anscheinend der Direktor der Alten Pinakothek.“
Sie pfiff durch die Zähne.
„Jetzt nicht wirklich.“
„Martina, bitte. Keine Ahnung. Ich kann dir nur sagen, was Theiss mir gesagt hat. Und er hat sich jegliche Presse verbeten.“
Ich versuchte verzweifelt, die Knopflöcher an meinem weißen Hemd in der richtigen Reihenfolge anzu­steuern.
„Der hat sich gar nichts zu verbitten. Der reiche Henry also …“
Die dunkelgraue Cordhose anzuziehen war auch nicht viel einfacher.
„Der reiche Henry?“
„Der Direktor der Alten Pinakothek heißt Henry de Rijk. Ein Niederländer, bei dem Nomen angeblich auch Omen sein soll.“
Es klingelte wieder an der Tür.
Ich lief noch einmal.
„Ja doch.“
„Kommst du, Bene? Der Alte hat mich gerade ange­rufen.“
„Bin gleich da.“
Ich setzte mich kurz auf das Bett und nahm Martina in den Arm.
„Ich muss los. Und solltest du dort in der nächsten halben Stunde auftauchen, hast du es nicht von mir.“
Wir umarmten uns.
„Bis später.“
Sie lächelte.Ich nahm mein dunkelblaues Jackett vom Haken, band mir einen Schal um, zog die Wohnungstür hinter mir zu und hastete die Treppe hinunter.

Den nächsten Happen gibt es nächste Woche 🙂
Über Rückmeldungen zum Titelblatt würden wir uns freuen.

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