Sonntag morgen

Es war ein eher dumpfer Klang, der sich in meinem Hinterkopf manifestierte.
Hatte sich der Nachbar unter mir – glücklicherweise gab es über mir niemand – einen Punchingball gekauft?
Gab es eine japanische Trommlergruppe, die morgens um sieben in Schwabing unbedingt eine Performance machen musste?
Oder waren es doch … Kirchenglocken?
Ich zog mein linkes Augenlied halb hoch.
Nicht, dass es irgendetwas zur Aufklärung des Sachverhalts beigetragen hätte.

Ich hätte gestern wirklich nicht dieses letzte Glas Wein trinken sollen. Die Tatsache, dass mir die Sprüche meines Chefs jetzt schon vor dem Frühstück ins Bewusstsein kamen ließ tief blicken. Sonntag um Sieben in der früh die typischen Pressekonferenztöne von Kriminaloberrat Theiss.
Mein Gott.
Apropos.
Es waren wirklich Kirchenglocken.
Warum zum … läuteten sie jetzt hier mitten in Schwabing um sieben Uhr morgens an einem Sonntag im Frühsommer mit den Glocken? Ich sollte mal ein Wort mit meinem Herrn Bruder wechseln, der für diesen Unsinn mitverantwortlich war.
Ich streckte mich, wie es die Kater, die es in meiner Familie während meiner ganzen Kinder- und Jugendzeit gab, wohl auch getan hätten.
Und jetzt?
Es war zehn nach sieben und der Lärm zu Gottes Ehren war verstummt. Ich stand auf und warf einen Blick aus dem Fenster: blauer Himmel. Ich taperte in Küche und setzte erst einmal die Moka auf; nach einem doppelten Espresso würde die Welt sicher anders aussehen.

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