Endlich ..

ist Bene 3 jetzt im Handel. Allen Beteiligten meinen herzlichen Dank. Ohne Mediathoughts und Doro wäre weder Lektorat noch Satz noch Cover so professionell fertig geworden. Meinen Dank auch nach Norderstedt zu BoD, die unsere Pläne schnell umgesetzt haben. Und wer den ganzen Roman lesen möchte kann ihn im gut sortierten Buchhandel oder auch online bestellen.:

Der neue Bene Schönheit im BoD Shop

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Mord die dritte

Die letzten Korrekturen sind eingearbeitet und das Manuskript ist auf dem Weg zum Drucken – mit etwas Glück kommt es noch vor Ostern in den Handel.

Hier noch ein kleiner Ausschnitt zum ersten Mord:

Das kalte Arbeitslicht der Kriminaltechnik blendete. Theiss stand neben Dr. Orthuber, den man offenbar auch zu dieser nachtschlafenden Zeit gerufen hatte. Links neben den beiden lag ein toter Mann auf dem Fußboden. Man hatte ihm das Hemd geöffnet und auch die Mordwaffe aus seinem Brustkorb entfernt. Es schien nur sehr wenig Blut ausgetreten zu sein. Das Zimmer war eine Art Besprechungszimmer, modern aber gediegen möbliert, mindestens 30 Quadratmeter groß. An Platz schien hier kein Mangel zu herrschen. Es waren allerdings nicht der große Konferenztisch und die acht modernen, lederbespann­ten Chromstühle, die den Raum beherrschten. Es war ein verhältnismäßig kleines Bild, das auf einer Staf­felei links von dem Toten stand und über ihn hinweg­zublicken schien. Eine Frau blickte mich an. Sie wirkte jung, kaum zwanzig. Licht fiel von oben auf ein schmales Gesicht mit einem leicht geöffneten Mund, großen braunen Augen und hohen Wangenknochen. Ein roter Hut schien auf ihrem Kopf zu schweben. Als ich meinen Blick von dem Bild abwandte bemerkte ich, dass mich Theiss und Dr. Orthuber anstarrten und ging einige Schritte auf sie zu.

„Schön, dass Sie Zeit für uns gefunden haben.“
Theiss schien ja blendender Laune zu sein.
„Guten Morgen, Herr Doktor“, ich nickte Dr. Orthuber zu, „morgen, Herr Theiss.“
Ich betrachtete den am Boden liegenden Toten genauer.
„Da war wohl ein Meister seines Faches am Werk.“
„Oder jemand hatte schlicht Glück, Herr Schönheit“, meinte Dr. Orthuber. „Aber sie haben Recht. Wer immer da zugestochen hat, hat den Herzbeutel präzise getroffen. Dr. de Rijk dürfte tatsächlich sofort tot gewesen sein.“
„Deshalb das wenige Blut.“
„Stimmt.“
„Wie lange ist er denn schon tot?“

Dr. Orthuber sah mich mitleidig an.

„Fällt Ihnen denn wirklich keine andere Frage ein? Der Körpertemperatur und der Leichenstarre nach zu urteilen drei bis fünf Stunden. Näheres nach der Autopsie.“
Ich blickte Theiss an.
„Und was haben wir sonst?“
„Praktisch nichts. Irgendjemand scheint aus dem Nichts aufgetaucht zu sein und hat ihn vor diesem Bild ins Jenseits befördert.“

Ich blickte der jungen Frau noch einmal ins Gesicht.

„Faszinierend, nicht wahr“, ließ sich Dr. Orthuber vernehmen.
„Wie meinen Sie das?“

Dr. Orthuber wirkte ein wenig irritiert.

„Mir ging es vor ein paar Monaten ähnlich wie Ihnen, als Sie da vorne standen. Ich konnte meinen Blick einfach nicht von diesem Bild losreißen, als es noch in der Pinakothek hing. Vielleicht fühlte de Rijk ja dasselbe. Er hatte das Bild schließlich gefunden.“

Theis und ich blickten unseren Gerichtsmediziner beide erstaunt an.

„Sie kennen das Bild?“, fragte Theiss.

Dr. Orthuber wirkte eher indigniert als irritiert.

„Aber die Herren lesen schon gelegentlich einmal Zeitung, oder? Das ist der vermeintliche Vermeer, über den Henry de Rijk letztes Jahr im Keller der Alten Pinakothek gestolpert ist. Anschließend gab es dann eine lange, öffentlich ausgetragene Schlamm­schlacht über die Echtheit des Bildes.“

„Mit welchem Ergebnis?“

„Die Experten waren sich nicht einig. De Rijk, der ein ausgewiesener Fachmann für Vermeer und seine Zeit war, bestand darauf, dass es sich um einen echten Vermeer handelte. Die Mehrheit der wissenschaft­lichen Tests schien das zu belegen, aber es gab auch Stimmen, die es für das Werk eines bekannten Fälschers hielten. Am Ende hat das Ministerium die Notbremse gezogen, und das Bild ins Archiv verbannt.“

„Und als Direktor hat er dann entschieden, es hier in seine Räume zu stellen“, meinte Theiss.

„Kann ich mir gut vorstellen. De Rijk hat meistens bekommen, was er wollte.“

Mehr Mord

Wir sind dabei die Druckfahnen zu korrigieren. Druckfahnen. Klingt wie etwas aus lange vergangenen Tagen ist es auch. Heutzutage ist es eine InDesign Datei von unseren Setzer – sagt man überhaupt noch Setzer? – bei mediathoughts.net. Jetzt sitzen also ich und Lektorin noch einmal dran. Außerdem müssen wir uns Gedanken über das Titelblatt machen.

Mach dir kein Bild, soll der Roman heißen.

Welches Bild passt wohl am besten dazu?

Was meint ihr? Hier sind vier Ideen :

Und zum Weiterlesen:

3:45 Uhr

Ich schwang meine Beine vorsichtig aus dem Bett, schnappte mir das leuchtende Handy, ging ins Wohnzimmer und drückte auf „Annehmen“.
Als ich einen Moment schwieg fragte jemand: „Schönheit?“
„Ja.“
Ich klang wie der sterbende Schwan.
„Sind Sie das, Schönheit?“
Kriminaloberrat Theiss.
„Ja.“
„Na also. Wieso gehen Sie denn nicht ans Telefon?“
„Weil es mitten in der Nacht ist?“
„Bringt der Beruf so mit sich.“
„Ach, wirklich?“
„Ich brauche Sie.“
„Hatte ich mir jetzt schon fast gedacht.“
„Spielen Sie jetzt nicht die Primadonna. Wir haben einen Toten.“
„Kann das nicht der Kriminaldauerdienst über­nehmen und wir kümmern uns in der Früh darum?“
„Das wird sich schlecht machen lassen, Herr Schönheit.“
Sein falsches Mitleid floss förmlich aus dem Telefonhörer.
„Und warum?“
„Weil die Leiche in der Neuen Pinakothek liegt.“
„Und?“
„Es handelt sich um den Direktor der Alten.“
„Bitte?“
„Um den Direktor der Alten Pinakothek.“
„Und den haben Sie in der Neuen Pinakothek gefunden?“
„Nicht wir, Herr Schönheit. Ein etwas pflichtbewusster Wachmann.“
Das verstehe wer will.
„Und es war Mord?“
„Sofern wir nicht davon ausgehen, dass der Herr Direktor vorwärts in seinen Brieföffner gefallen ist: ja.“
„Ach so.“
„Schwingen Sie Ihren Alabasterleib aus dem Bett, Schönheit, Uzman holt Sie in fünf Minuten mit dem Wagen ab.“ Er zögerte einen Moment. „Und wehe, Sie bringen die Presse mit.“

Der Chef und sein Sinn für Humor.

Der Direktor der Alten Pinakothek war tot und Adil würde mich in fünf Minuten abholen. Was für eine Nacht. Ich ging ins Badezimmer, goss mir eine Handvoll kaltes Wasser ins Gesicht und versuchte, ein Lächeln. Es misslang. Auf dem Weg ins Schlafzimmer stolperte ich über die Türschwelle und versuchte in völliger Dunkelheit, etwas zum Anziehen zu finden.
„Mach halt Licht an“, tönte es von unter der Bettdecke.
„Geht auch so.“
„Quatsch.“
Martinas Hand suchte mit Erfolg den Schalter der Nachttischlampe.
Licht.
Ein bemerkenswert waches Gesicht tauchte unter der Bettdecke auf.
„Was ist denn los? Revolution?“
„Ein Toter in einem Museum.“
„Geht das ein wenig präziser?“
„Der Direktor …“
Die Türglocke schepperte. Ich ging an die Sprech­anlage.
„Adil?“
„Ja, Chef.“
„Bin gleich da.“
„OK.“
Zurück ins Schlafzimmer.
Ein offenbar völlig erwachter, leicht verwilderter Rotschopf grinste mich an, die Hände vor den Brüsten verschränkt.
„Nur damit du nicht auf dumme Gedanken kommst. Also bitte: wer ist tot?“
„Anscheinend der Direktor der Alten Pinakothek.“
Sie pfiff durch die Zähne.
„Jetzt nicht wirklich.“
„Martina, bitte. Keine Ahnung. Ich kann dir nur sagen, was Theiss mir gesagt hat. Und er hat sich jegliche Presse verbeten.“
Ich versuchte verzweifelt, die Knopflöcher an meinem weißen Hemd in der richtigen Reihenfolge anzu­steuern.
„Der hat sich gar nichts zu verbitten. Der reiche Henry also …“
Die dunkelgraue Cordhose anzuziehen war auch nicht viel einfacher.
„Der reiche Henry?“
„Der Direktor der Alten Pinakothek heißt Henry de Rijk. Ein Niederländer, bei dem Nomen angeblich auch Omen sein soll.“
Es klingelte wieder an der Tür.
Ich lief noch einmal.
„Ja doch.“
„Kommst du, Bene? Der Alte hat mich gerade ange­rufen.“
„Bin gleich da.“
Ich setzte mich kurz auf das Bett und nahm Martina in den Arm.
„Ich muss los. Und solltest du dort in der nächsten halben Stunde auftauchen, hast du es nicht von mir.“
Wir umarmten uns.
„Bis später.“
Sie lächelte.Ich nahm mein dunkelblaues Jackett vom Haken, band mir einen Schal um, zog die Wohnungstür hinter mir zu und hastete die Treppe hinunter.

Den nächsten Happen gibt es nächste Woche 🙂
Über Rückmeldungen zum Titelblatt würden wir uns freuen.

Mord

Natürlich geht es auch im neuen Benedict Schönheit um Mord.
Sonst würde Bene ja nicht bei der Münchner Mordkommission arbeiten.
Hier gibt es schon einmal einen kleinen Vorgeschmack.

Den ersten Mord:

Sie war die Theresienstraße hinuntergelaufen. Sonntagabend war nicht viel vom Münchner Leben zu spüren
gewesen. Der frühe Oktober hatte die wenigen Bäume gelb gefärbt und die frostige Kühle der Nacht drang durch ihre Jacke. Im Schaufenster eines Schuhgeschäfts, das überwiegend Dinge verkaufte, die sie nie im Leben an ihre Füße lassen würde, hatte sie, gewohnheitsmäßig, ihr Aussehen kontrolliert. Die weiße Strickmütze schien die Blässe ihrer Haut zu betonen. Sie sah alt aus, müde. Das Gefühl, nicht mehr sie selbst zu sein, steigerte nur ihre Wut auf ihn.

Sie ging zwischen den grauen Betonschluchten der Technischen Universität hindurch, die man mit vier Bäumen ein wenig zu verschönern versucht hatte. Rechts tauchte die Alte Pinakothek auf. Auch hier hatten sich die Bäume schon gelichtet, man konnte über den kleinen Parkplatz den wuchtigen Bau sehen, der trotz seiner Ausmaße auf sie ein wenig zerbrechlich wirkte. Was man von dem Bau gegenüber nicht behaupten konnte.

Henry hatte den Bau der Neuen Pinakothek nie gemocht. Er empfand es als Zumutung, dass er als Direktor der Alten Pinakothek, in einem zweckmäßigen Büro in der Neuen residieren musste. Residieren. Er hatte dieses Wort immer mit einem Schmunzeln benutzt und doch war sie sicher, dass sich dahinter sehr viel Wahrheit verbarg. Der große Henry de Rijk residierte nun einmal. Die Dienstwohnung war nicht gut genug gewesen, es musste etwas Repräsentativeres sein. Werneckestraße. Genügend Wände für Bücher und Bilder, ausreichend Platz, um Gäste zu bewirten.
Und genügend Raum, um Frauen zu verführen. Jede
Station in seinem Leben schien von Kunst, Frauen und
gebrochenen Versprechen geprägt zu sein. Ja, er hatte auch sie verführt. Mehr als das. Er hatte sich ihrer Liebe vergewissert. Sie hatte ihn nicht mehr loslassen können. Er sie schon. Der letzte Abend mit ihm fasste es wie in einem Brennglas zusammen. Henry, der Charmeur. Henry, der sie noch einmal im Bett haben wollte. Henry, der sie wegen ihrer Liebe für ihn einfach auslachte. Ihr klar machte, dass da nichts mehr war. Sie eine einfältige Pute schimpfte. Ihr riet, doch zurück zu Papa zu gehen. Da gehöre sie hin. Er gehöre ihr nicht, er gehöre nur sich selbst. Er gehörte vor allem seinem Ehrgeiz, diesem Willen, etwas zu werden, etwas darzustellen. Der Raum sollte heller werden, wenn er ihn betrat. Sie wollte dies alles beenden. Henry gehörte ihr. So war es, so sollte es ein.

 

Die Neue Pinakothek lag in einer Mischung von Licht und Schatten, Bäume, Sträucher und Straßenlampen schufen einen gefleckten Teppich. Sie bog in einen schmalen Weg ein, einem direkten Zugang zum Verwaltungstrakt. Nachdem sie ein paar Handschuhe angezogen hatte, wandte sie der Überwachungskamera den Rücken zu und ging zu dem Seiteneingang. Die Tür ließ sich mit einem sechsstelligen Zifferncode öffnen, den ihr Henry gegeben hatte, als sie ihn zum ersten Mal in München besuchte hatte. Nachdem sie den Zugangscode eingegeben hatte, öffnete sich die Tür mit einem kaum vernehmbaren Summen. Sie zog direkt hinter der Tür ihre Schuhe aus, das Geräusch ihrer Absätze hätte er sicher gehört. Der Verwaltungstrakt selbst wurde normalerweise nicht vom Sicherheitsdienst kontrolliert, was Henrys Eskapaden auf dem Ledersofa in seinem Besprechungszimmer sehr entgegenkam.

Sie spürte den kühlen Marmor unter ihren Seidenstrümpfen. Es waren wirklich Seidenstrümpfe. Für Henry. So wie er sie liebte. Sie öffnete die Tür zu seinen Büros, die sich geräuschlos öffnen und schließen ließ. Henry hasste überflüssigen Lärm in seiner Umgebung. Durch die angelehnte Tür fiel ein Lichtschein auf den Schreibtisch seiner Sekretärin. Vorsichtig näherte sie sich der Tür zu seinem Büro, obwohl sie sich sicher war, ihn zu dieser Zeit nicht an seinem Schreibtisch zu finden. Eine grünbeschirmte Lampe, die er seit seinen Studientagen in Princeton mit sich herumschleppte, beleuchtete einen penibel aufgeräumten Arbeitsplatz. Henry verachtete das kreative Chaos, das an ihrem Tisch stets herrschte. Er hatte ihr mehr als einmal zu verstehen gegeben, dass er äußere Unruhe als Zeichen innerer Zerrissenheit verstand. So könne man nicht arbeiten. Bei ihm war alles aufgeräumt, es gab Mappen, Akten, Schränke, jedes Buch, jede CD hatte ihren Platz. Nur sie schien in all dieser Ordnung nie ihren Platz gefunden zu haben.

Jenseits des Lichtkreises, den die Schreibtischlampe warf, glänzte matt Henrys Brieföffner. Damit könne man leicht jemand umbringen, hatte er einmal scherzend
gesagt. Eine echte Damaszenerklinge, angeblich aus dem 13. Jahrhundert. Henry erzählte, sein Großvater habe sie als Geschenk von Papst Pius XII bekommen, aber bei ihm wusste man nie genau, was die Wahrheit und was eine
gekonnte Inszenierung war. Sie nahm den Dolch und zog ihn aus seiner Scheide. Er lag gut in der Hand, das
Gewicht des Metalls gab ihr Sicherheit. Die Tür zu seinem Besprechungsraum war angelehnt. Es herrschte völlige Stille. Sie hatte ihn bei ihrem ersten Besuch hier gefragt, warum er sich keine Stereoanlage ins Büro stelle. Er hatte sie nur von oben herab angeschaut und gesagt, hier arbeite er, oder er betrachte Bilder, was auch Teil seiner Arbeit sei, da habe die Musik keinen Platz. Es sei eine Ausgeburt dieser verqueren Zeit, immer mehrere Dinge zur gleichen Zeit tun zu wollen.

Henry saß auf einer Art Klavierbank vor ihrem Bild, dem Bild jener Frau mit dem roten Hut. Er hatte es vor etwas mehr als einem Jahr, kaum dass er auf seinem neuen
Posten angefangen hatte, bei einem Spaziergang in den Katakomben des Museums gefunden – und sich dabei fast den Hals gebrochen, wie er nie vergaß zu erwähnen. Es war sein Vermeer. Zumindest war er der Meinung, dass es sich um einen solchen handelte. Die Fachwelt stimmte da nicht unbedingt mit ihm überein, aber die Fachwelt hatte Henry de Rijk noch nie sonderlich interessiert. Es war sein Vermeer. Sein Mädchen. Nachdem die Skepsis der Fachwelt übergroß geworden war, hatte der Kultus-
minister interveniert. Er hatte zwar nicht den Schimmer
einer Ahnung, verfügte dafür aber über reichlich politisches Gespür. Das Bild wurde aus der Sammlung entfernt und landete nach zahlreichen Untersuchungen genau da, wo Henry es schon immer haben wollte: in seinem Privatbüro.

Sie hatte seine Faszination für dieses Bild nie begriffen, aber sehr wohl verstanden, dass dieses möglicherweise 250 Jahre alte Mädchen eine echte Konkurrentin war. Er sprach mit einer Zärtlichkeit von ihren Augen, den Linien ihres Gesichtes, dass sie allein beim Gedanken daran eifersüchtig wurde.

Den Dolch in der rechten Hand trat sie langsam hinter ihn. Sie wusste nicht, ob es ihr Parfüm oder die von ihr ausgehende Wärme war, aber er schien aus seiner Trance zu erwachen und drehte sich auf der lederbezogenen Bank um. In diesem Moment stach sie zu. Nur einmal. Gezielt. Er sah sie mit einer Mischung aus Erstaunen und Wehmut an, sie trat einen Schritt zurück und er rutsche wie in Zeitlupe zu Boden. Sie war sich sicher, dass er bereits tot war, und blickte das Bild der Frau an. Wenn er tot ist, wirst auch du wieder dahin verschwinden, wohin du gehörst, dachte sie sich.

So leise wie sie gekommen war, ging sie auch wieder. Sie zog die Tür geräuschlos hinter sich ins Schloss, ging vorsichtig die Treppe hinunter, schlüpfte in ihre Schuhe und steckte die Handschuhe wieder in ihre Jackentasche. Dann spähte kurz nach draußen, bevor sie die Außentür mit dem Ellenbogen öffnete.

Mehr demnächst.
Im März im gut sortierten Buchhandel:

#Krimi #Mord #BenedictSchoenheit

Schuld und Verführung

Seit letzter Woche ist der zweite Band der Reihe „Benedikt Schönheit ermittelt“ im Buchhandel und als eBook erhältlich. Ich freue mich, dass nach einigen Verzögerungen  die Veröffentlichung wieder mit BoD geklappt hat und bin sehr gespannt auf das erste Feedback meiner LeserInnen.

Benedikt Schönheit ermittelt 2: Schuld und Verführung

Den ersten fünf LeserInnen dieses Blogs, die mir eine eMail mit „Bene2“ im Betreff an thomas(at)the-team.de senden, möchte ich gerne ein signiertes Exemplar schenken. Wenn ihr eure Postadresse angebt, habt ihr es im Verlauf der nächsten zehn Tage im Briefkasten..

Euch allen viel Spaß mit dem neuen „Bene“.

 

 

Endspurt

Endlich ist das gute Stück beim Verlag und, so Gott will, in 10 Tagen als Printversion und EBook verfügbar. Es hat zugegebenermaßen lange gedauert und auch einige Nerven gekostet. Ich glaube nicht, dass sich jemand, der nicht selber schreibt, vorstellen kann, was für ein Gefühl es ist, ein neues Buch gedruckt in Händen zu halten. Ich freue mich unglaublich darauf – und wenn es dann endlich so weit ist gibt es eine keine Überraschung für alle meinen treuen Blogleser.

Zunächst aber hier noch einmal einen kleinen Ausschnitt aus dem neuen „Bene“:

So, jetzt brauchte ich nur noch einen Wagen. In diesem Moment kam Adil ins Zimmer.

„Bist du schon fertig?“

Er schaute schuldbewusst

„Ja, Chef.“

„Warst du mit dem Wagen in Schwabing?“

„Klar.“

Natürlich, der Münchner Kriminaler fährt nicht mit der U-Bahn. Das war schon zu Derricks Zeiten so.

„Dann schau, dass du den Wagen wieder kriegst, aber zackig. Wir fahren an den Starnberger See.“

„Frühes Mittagessen, Chef?“

„Nein, eine Leiche. Beweg dich.“

Fünf Minuten später brausten wir mit Blaulicht und Martinshorn Richtung Garmischer Autobahn. Adil sollte seinen Spaß haben. Ich hatte ihm erzählt, was passiert war, und er meinte unsere Vorgehensweise sei durchaus gerechtfertigt. Bisweilen konnte er reden, als ob ihn dereinst der Prinzregent in den Polizeidienst aufgenommen hätte.

„Wenn wir hier schon wie die Gesengten durch die Gegend rasen, erzähl mir wenigstens, was bei deiner Befragung in der Clemensstrasse herausgekommen ist.“

„Nicht wirklich viel, Chef. Wir sollten da noch einmal am Abend vorbeischauen, denn in dem Haus scheinen praktisch alle zu arbeiten. Nur eine ältere Frau, die dort schon seit 35 Jahren wohnt war zuhause.“

„Woher weißt du, wie lange sie schon dort wohnt?“

„Weil sie es mir gesagt hat.“

„Und wie hat der Kuchen geschmeckt?“

„Der Nusszopf war ausgezeichnet“; er stockte. „Woher weißt du, dass es dort Kuchen gab?“

„Du kennst doch meine Methoden, oh Adil, Tröster der einsamen Herzen. Was hatte die gute Dame denn sonst noch zu vermelden?“

Er grinste. „Sie scheint das Haus gut im Blick zu haben, wohnt im ersten Stock, Sophie wohnt direkt über ihr. Sie meint, normalerweise könne sie hören, wenn sie nach Hause komme, auch wenn Besuch da sei. Gestern Abend sei aber alles still gewesen. Wann Sophie gestern aus dem Haus gegangen ist, wusste sie nicht, weil sie einen Arzttermin hatte.“

„Hat sie den Besuch irgendwie beschreiben können?“

„Habe ich auch gefragt, Chef. Sie war sehr entrüstet, sie spioniere doch niemandem nach.“

„Gut, dann müssen wir sie gegebenenfalls auch noch einmal aufsuchen, falls die Weilheimer Kollegen dort tatsächlich Sophie gefunden haben sollten.“

 

Ich hatte keinen Blick für die schöne Landschaft, die noch letzten Sonntag in mir so viele Erinnerungen wach gerufen hatte. Dieser Fall war wie ein Puzzle mit ganz wenigen Teilen, die allerdings überhaupt nicht zusammen passten. Wenn der Förster tatsächlich Sophie gefunden hatte, machte das alles noch viel weniger Sinn. Natürlich konnte das alles ein Zufall sein, aber das wäre dann fast wie in einem schlechten Kriminalroman. Eine Beziehungskiste unter Studenten wurde doch nicht im Handumdrehen zu einem töd­lichen Drama. Adil riss mich aus meinen Grübeleien, weil er scharf bremste und auf die rechte Spur zog. Ich hatte mir verkniffen, auf den Tacho zu schauen, aber für mich war das neuer Rekord zur Ausfahrt Sees­haupt. Ich hatte ihm Kriminaloberrat Werners An­fahrtsbeschreibung gesagt.

„Wir kommen jetzt aber von der anderen Seite.“

„Stimmt schon, Chef, ist aber dieselbe Straße. Irgendwann werden rechts die Kollegen in grün stehen.“

Wir jodelten weiter mit Blaulicht. Etwa fünf Minuten später bremste er scharf und bog auf einen Waldweg ab. Keine Ahnung, wie er den Streifenwagen durch das Unterholz gesehen hatte. Vielleicht sollte ich doch mal zum Optiker gehen. Das Blaulicht auf dem Wagendach verhinderte vermutlich einen scharfen Kommentar der Weilheimer Beamten.

„Seid’s ihr die Münchner?“

Bevor Adil seinen Mund aufmachen konnte, hielt ich den Kollegen meinen Ausweis entgegen.

„Kriminalrat Schönheit.“

„Immer geradeaus, Herr Kriminalrat. Aber sagen’s dem jungen Mann, er soll langsam fahren, sonst brauchen wir noch einen Abschleppwagen.“

Ich nickte, er grinste und wir tuckerten los. Der Waldweg war gut ausgebaut, es war ein schöner, heller Mischwald, dessen unterschiedliche Grüntöne in der Mittagssonne leuchteten.

Etwa einen Kilometer weiter ließen wir den Wagen neben einigen anderen Dienstwagen stehen und gingen auf eine Gruppe Männer in Zivil zu. Ein drahtiger Mittvierziger in Lodenjoppe drehte sich um.

„Herr Schönheit?“

„Ja. Ich vermute mal, Herr Werner?“ Er nickte. Ich deutete auf Adil. „Das ist mein Kollege, Kommissar Usman.“

Hände wurden geschüttelt.

„Die KTU ist fertig, und unser Pathologe ist bei der Leiche. Wenn Sie einen Blick darauf werfen wollen, sie liegt dort drüben hinter den hohen Büschen.“

Ich bedankte mich, bedeutete Adil, mir zu folgen und ging zu dem Leichenfundort. Egal, wie lange man diesen Job schon machte, der Ort, an dem ein Mensch sein Leben verloren hatte, berührte einen immer wieder. Bei mir waren es nicht nur die Gedanken an einen anonymen Toten, ich hatte das unbestimmte Gefühl, dass wir tatsächlich Sophie gefunden hatten. Ein grauhaariger Herr schien gerade mit seiner ersten Untersuchung fertig zu sein. Ich trat näher.

„Wer sind Sie denn?“

„Kriminalrat Schönheit, Kripo München. Ich würde gerne mal einen Blick auf die Tote werfen, es könnte sich um jemand handeln, den wir suchen.“

„Da waren Sie aber schnell vor Ort.“ Er bedeutete mir, näher zu treten, so dass ich das Gesicht sehen konnte, dass er bisher mit seinem Körper verdeckt hatte.

Es war Sophie, kein Zweifel.

Vielleicht hätte ich doch nicht raus fahren sollen. In wenigen Sekunden gingen mir viele Bilder durch den Kopf. Sophie als kleines Mädchen, Sophie beim Tennis spielen, Sophie auf dem marokkanischen Puff in Papas Arbeitszimmer beim Schachspielen. Der Arzt hatte mit Interesse mein Mienenspiel verfolgt.

„Kannten Sie die Tote?“

Ich nickte.

„Und deshalb sind Sie hier?“

„Nein.“ Ich holte tief Luft. „Frau Binder ist in einen ungeklärten Todesfall in München verwickelt. Wir suchten sie eigentlich als Zeugin. Es ist lediglich ein Zufall, dass wir im gleichen Ort aufgewachsen sind.“

Er schaute mich an, ohne ein weiteres Wort zu sagen.

„Halten Sie die Kopfwunde für die Todesursache?“, fragte ich.

„Sie meinen, die Schädelverletzung? Mit großer Wahrscheinlichkeit, ja.“

„Und haben sie sonst etwas gefunden?“

Er deutete auf ihren linken Fuß.

„Die Stellung des Fußes ist ungewöhnlich. Ich denke das Fußgelenk ist überdehnt, wenn nicht gar gebro­chen.“

„Und der Todeszeitpunkt?“

„Die Leichenstarre ist noch nicht voll ausgeprägt, aber wie sie wissen, spielen Umweltfaktoren da eine große Rolle. Ich würde sagen zwischen 5 und 7 Uhr heute Morgen.“

Ich konnte meinen Blick nicht von Sophie abwen­den. Sie lag neben einem Baumstumpf, an dem auch Blut klebte.

„Halten Sie es für möglich, dass sie nur gefallen ist?“

Ich deutete auf den Baumstumpf.

„Sie meinen, keine Fremdeinwirkung?“

Er betrachtete den Baumstumpf genauer.

„Könnte tatsächlich zur Wunde passen, aber ich kann mir wirklich erst ein Bild machen, wenn ich sie genauer untersucht habe und wir die Ergebnisse der Spurensicherung gesichtet haben.“

Ich ging zurück zu der Gruppe Beamter, den schwei­genden Adil im Schlepptau.

Warum hatte sie sterben müssen? Sie war kein Kind von Traurigkeit gewesen, noch letzten Sonntag war ihre Lust am Leben spürbar. Und jetzt vielleicht er­schlagen im Wald – oder doch ein Unfall? Die Ergeb­nisse der Kriminaltechniker würden uns hoffentlich weiter bringen.

„Könnte ich sie einen Moment allein sprechen, Herr Werner?“

Er schaute erstaunt, folgte mir dann aber doch ein paar Meter zu einer Wegkreuzung.

„Warum so geheimnisvoll. Herr Kollege?“